Jürgen Falge: Die Finanzmarktkrise weitet sich mehr und mehr zu einem globalen Problem aus. Während man vor einigen Wochen und Monaten noch von der „Subprime-Krise“ sprach, von der maßgeblich Banken betroffen waren, die in strukturierte Anlageformen auf Basis amerikanischer Immobilienkredite investiert hatten, hat sich die Situation nunmehr deutlich verschärft. So führte die Subprime-Krise nach und nach zu einer „Austrocknung“ des gesamten Marktes für strukturierte Finanzierungsformen, über die sich auch einige Leasinggesellschaften in der Vergangenheit maßgeblich refinanziert hatten.
KM: Was meinen Sie mit „Austrocknung“?
Jürgen Falge: „Austrocknung“ heißt, dass diese an den Kapitalmärkten gehandelten Wertpapiere keine Käufer mehr fanden, was wiederum dazu führte, dass Banken, welche für die Liquidität dieses Marktes als Sponsoren auftraten, zunehmend „in die Pflicht“ genommen wurden. Hierdurch entstand zusätzlicher Liquiditätsbedarf bei den Banken, die vor dem Hintergrund der schwer kalkulierbaren Dimensionen nunmehr nicht mehr bereit waren, sich gegenseitig Liquidität zur Verfügung zu stellen. Vor dem Hintergrund dieser ungeahnten Dimensionen besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass sich die Finanzmarktkrise weltweit auf die gesamte Realwirtschaft auswirken wird und somit auch in Teilen auf die Kranbranche.
KM: Die Banken trauen sich nicht mehr untereinander und scheinen, um die eigene Liquidität gewährleisten zu können, Kredite nicht mehr gewähren zu wollen. Welche Auswirkungen hat dies auf die Refinanzierung Ihres Institutes?
Jürgen Falge: Hannover Mobilien Leasing hat im Vergleich zu den in Deutschland tätigen Mobilienleasinggesellschaften wesentliche Vorteile:
- als Konzerntochter der Landesbank Hessen-Thüringen haben wir eine Bank im Rücken, die sich trotz der Finanzmarktkrise operativ auf Erfolgskurs befindet und gut behauptet,
- unsere Refinanzierung basiert zu keinem Teil auf sogenannten Asset-Backed-Strukturen, das heißt, der Einbruch dieses Marktes hat bei uns keinerlei Spuren hinterlassen und
- die Kommunikation zu unseren Refinanzierungspartnern war und ist dadurch geprägt, dass wir genau darstellen, was und wen wir mit den zur Verfügung gestellten Mitteln finanzieren, das bedeutet das gegenseitige Vertrauen steht auf einer soliden Basis.
Diese in den letzten Jahren als „konservativ“ bezeichnete Form der Refinanzierung führt nunmehr dazu, dass wir unsere Refinanzierungsbasis derzeit eher verbreitern als uns in unserer Refinanzierung einschränken zu müssen. Unsere Banken wissen, dass die Hannover
Mobilien Leasing den Kranmarkt sehr genau kennt.
KM: Gibt es einen Plan B? Also alternative Refinanzierungskanäle?
Jürgen Falge: Für die momentane Situation fühlen wir uns bestens gerüstet. Wir beobachten die Märkte allerdings sehr genau und werden auf eine Änderung der Stimmungslage reagieren.
KM: Können Sie gewährleisten, dass die von Ihnen zugesagten Finanzierungen für Krane, die in der Zukunft zur Auslieferung kommen, eingehalten werden?
Jürgen Falge: Ja. Von der Hannover Mobilien Leasing ausgesprochene Finanzierungszusagen wurden in der Vergangenheit und werden auch in Zukunft eingehalten.
KM: Ihre Kreditzusagen beruhen auf Zinssätzen, die vor der Krise relevant waren. Welche Möglichkeiten sehen Sie, Zinsveränderungen an die Kunden weiterzugeben?
Jürgen Falge: Unsere Finanzierungszusagen beruhen in der Regel auf den Kapitalmarktsätzen zum Zeitpunkt der Zusage. Wenn der Kunde von steigenden Kapitalmarktsätzen ausgeht, besteht die Möglichkeit, die Finanzierungskonditionen zu diesem Zeitpunkt mit einem Zinssicherungsgeschäft abzusichern.
KM: Glauben Sie, dass es seitens der Vermieter nun vermehrt zu Stornierungen bei den Kranherstellern kommen wird? Wie wirkt sich dies auf die Kranpreise aus? Befürchten Sie, eine Schwemme „gebrauchter“ (Neu)Krane?
Jürgen Falge: Wir sehen derzeit diesbezüglich noch keine Auswirkungen, können aber bei länger anhaltender Lage auf den Finanzmärkten nur schwer eine Prognose ableiten.





